Auszug aus der Bachelorarbeit von Niklas Richelshagen (13.12.2011) – „Waldgarten – Obst und Gemüse durch das ganze Jahr“

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Der Begriff Permakultur (dauerhafte Garten- und Landwirtschaft) stammt von Bill Mollison und David Holmgren, die zusammen Ende der 1970iger Jahre ein System entwickelt haben, das den Menschen wieder lehren soll mit der Natur, statt gegen sie, zu leben. Die Permakultur versucht naturnahe Systeme aufzubauen, die als ein ganzheitliches Konzept zwischen Natur und Mensch gesehen werden können. Die Aufmerksamkeit der Permakultur richtet sich dabei nicht nur auf einzelne Bestandteile, wie es in der konventionellen Landwirtschaft der Fall ist, sondern insbesondere auf die vorteilhaften Beziehungen zwischen den verschiedenen Elementen und deren optimale Nutzung für den Aufbau produktiver Systeme [MOLLISON 1981 S.25].

Ziel ist es, dass der Mensch „intakt funktionierende Ökosysteme“ erhält und Monokulturlandschaften in gesunde Naturlandschaften umstrukturiert, um diese bestehenden und neu entstandenen Biotope als Existenzgrundlage zur eigenen Bedürfnisdeckung dauerhaft, d.h. nachhaltig zu nutzen. Dabei spielen zwei Grundannahmen nach Mollison eine wichtige Rolle. Erstens, für die Verantwortung der eigenen Existenz, sowie die unserer Kinder und zukünftiger Generationen Sorge zu tragen (Nachhaltigkeitsprinzip). Und Zweites, ist es die Kooperation und nicht der Wettbewerb, die als das entscheidende Kriterium für unser Überleben in einem von Natur aus sich selbst erhaltenen Lebensraum zählt. Durch die Permakultur sollen kleine geschlossene Stoffkreisläufe sowie umweltfreundliche Energiesysteme geschaffen werden. Dabei soll das Leben des menschlichen Individuums nicht besonders eingeschränkt, sondern nur dessen Sicht bzw. Verhaltensweisen ein wenig verändert werden. Sobald dann kleinere Kreisläufe geschaffen sind, können Transportkosten und -energien auf ein Minimum reduziert werden (KLEBER 2010S.26 ff). Durch das Einbeziehen unterschiedlicher Aspekte, wie z.B. die Lebensmittelproduktion, Energieversorgung, Landschaftsgestaltung und insbesondere die Gestaltung einer sozialen Struktur usw., erreicht der Mensch es nicht nur mehr Vorsorge für sich Selbst zuschaffen, sondern sein Leben auch selbst bestimmter und vielfältiger zu gestalten.

PermaKulturBlume

PermakulturBlume (Quelle: http://permakultur-info.de/?page_id=3)

In der Permakultur wird darauf geachtet, dass einzelne Element mehrere Funktionen haben und jede Funktion von mehreren Elementengetragen wird, sodass Systeme entstehen, die nur wenig Energie brauchen, sehr stabil sind und hohe Erträge erbringen (MOLLISON 1981 S.39). Ein Beispiel dafür ist die Errichtung eines Wintergartens an der Südseite einer Hauswand. Die überschüssige Wärme des Wohnhauses wird im Winter und Frühling an den Wintergarten abgegeben. Durch die Verglasung des Wintergartens wird aber auch die notwendige Heizenergie im Wohnhaus verringert, da sich einerseits Sonnenenergie in Form von Wärme im verglasten Wintergarten sammeln kann und andererseits die Außenwand vom Haus zum Wintergarten langsamer auskühlt. Im Wintergartenkönnen Pflanzen stehen, die von den Bewohnern gepflegt werden können, ohne dass dabei das Haus verlassen werden muss. Der Wintergarten zählt so zu einem wichtigen Element mit vielen Funktionen, die das Haus, die Pflanzen und den Menschen in einem vorteilhaften Netzwerkverbinden (WHITEFIELD 1999 S.13).

Der Beginn der Permakultur richtet sich dabei immer auf ein effektives Energiekonzept innerhalb der eigenen vier Wände und erstreckt sich vom Haus über den selbstversorgenden Garten und Landbewirtschaftungssystem bis hin zu einer Umgestaltung des kompletten Planeten (KLEBER 2010S.29 ff). Die jedem Einzelnen zur Verfügung stehende Flächen werden in Zonen eingeteilt. Je weitereine Zone vom Haus entfernt liegt, desto geringer werden die Arbeitsstunden und die Aufmerksamkeitsintensität der einzelnen Fläche sein. Durch die langfristige Planung bestimmter permakulturell angelegter Gartensysteme werden bei möglichst geringem Platz- und Zeitaufwandwünschenswerte Erträge sichergestellt (RUSCH 2010 S.12 ff).

Im Gegensatz zu dem herkömmlichen Gartenbau wird in der Permakultur auf die Anwendung von chemischen Schädlingsbekämpfungsmitteln und synthetischen Düngern, sowie auf das Pflügen, verzichtet. Vielmehr wird darauf geachtet, dass unterschiedliche Pflanzen in einem vielfältigen System nebeneinander angebaut werden. So werden beispielsweise Möhren in einer Mischkultur mit Zwiebeln, Dill und Salatrauke angepflanzt, um einen hohen „Schädlingsbefall“ durch die frühzeitige Förderung von „Nützlingen“ vorzubeugen. Dem Boden werden keine Nährstoffe hinzugefügt, sondern nur Rohmaterialen bereit gelegt, die von Bodenorganismen zersetzt werden. Erst durchdiesen Zersetzungsprozess werden den Pflanzen die Nährstoffe zur Verfügung gestellt (PERMAKULTURFREUNDE).

Permakultur bedeutet allerdings nicht, dass eine völlige Selbstversorgung angestrebt wird. Sie versucht nur einen Weg aufzuzeigen, der eine zerstörerische, industrialisierte Lebensmittelproduktion abwenden könnte, indem möglichst viele Produkte selbst erzeugt werden (WHITEFIELD 1999 S.16). Nach MOLLISON (1981 S.29) gibt es eine Lebensethik, die besagt,“ dass lebende Organismen und Systeme nicht nur als nützlich für den Menschen zu betrachten sind, sondern dass sie ihre eigene Berechtigung und ihren Sinn in sich selbst haben. Außer ihrem Wert für uns haben sie noch einen eigenen Wert, den wir ihnen oft nicht zugestehen. Dass ein Baum eine Daseinsberechtigung hat, auch wenn er für Menschen nutzlos ist, ist für uns ein ziemlich fremdartiger Gedanke – wichtig ist, dass der Baum lebendig ist und funktioniert.“

 


Literatur:

KLEBER, Gerda und Eduard W. (2010): Gärtnern im Biotop mit Mensch, OLV Organischer Landbau Verlag Kurt Walter Lau, Kevelaer, S.26 – 199

MOLLISON, Bill (1981): Permakultur konkret – Entwürfe für eine ökologische Zukunft, pala Verlag, Darmstadt, S.10 – 119

RUSCH, Margit (2010): Anders gärtnern – Permakultur-Elemente im Hausgarten, ökobuch Verlag, Staufen bei Freiburg, S.12 – 94

WHITEFIELD, Patrick (1999): Das große Handbuch Waldgarten, OLV Organischer Landbau Verlagsgesellschaft mbH, Xanten, S.12 – 156

PERMAKULTURFREUNDE DINKELSBÜHL, http://www.permafreunde-dkb.de/permakultur.html