Tim Drescher und Jonas Brab veranstalteten letzten Sonntag im Rahmen des Permakulrur Moduls der Uni einen Workshop im alten Pflanzgarten. Sie demonstrierten wie aus Pflanzenfasern Schnüre und Seile gefertigt werden können. Welche Pflanzen und Pflanzenteile dafür verwendet werden und was es dabei zu beachten gibt.

Seile aus Naturfasern

In der Permakultur geht es unter anderem darum, die Prozesse der Materialgewinnung zu verstehen, ein Gefühl für Nachhaltigkeit zu erlangen und die verfügbaren, örtlichen Ressourcen zu erkennen und zu nutzen. Heute ist uns kaum mehr bewusst aus welchen Materialien das Endprodukt besteht und wie es hergestellt wurde. Schon alltägliche Dinge wie Schnürsenkel verwenden wir ohne zu Hinterfragen welcher Aufwand ohne die heutige Technik zur Herstellung dieses Produktes nötig wäre.

Dieser Workshop soll Euch vermitteln wie ihr ohne technische Hilfsmittel aus Pflanzenteilen selbst ein Seil herstellen könnt.
Ausgangsmaterialien: Linde, Weide, Haselnuss, Brennnessel, Brombeere, Waldrebe

Provisorische Befestigungen

  • Ausgangsmaterial: Haselnussruten; am Ansatz daumenbreit
    Herstellung: Aufdrehen der hölzernen Fasern durch Drehen an der Spitze, der noch stehenden Pflanze. Dabei darauf achten, dass sich die Fasern gleichmäßig verdrehen.

Bänder

  • Ausgangsmaterial: Innere Rinder einer Weide
    Herstellung: Die äußere Rinde wird abgeschabt, der Bast der Länge nach eingeritzt, um ihn dann vom Stamm zu lösen. Dann wird die der Bast in Streifen geschnitten. Die so gewonnenen Bänder können entweder direkt genutzt werden oder erst in Wasser mit Holzasche und der runter geschabten Rinde gekocht und dann getrocknet werden.

Seile

  • Ausgangsmaterial: Brennnessel
    Herstellung: Die Blätter der Brennnessel werden entfernt und der zurückbleibende Stamm wird leicht mit einem Ast o. ä. geklopft, damit sich die äußeren Fasern vom Stamm lösen. Die so gewonnenen Fasern werden getrocknet. Fertig getrocknet, können sie miteinander verdreht werden.
  • Ausgangsmaterial: Linde
    Herstellung: Den Bast der Linde kann man wie die Fasern der Brennnessel benutzten. Allerdings muss man die Rinde samt Bast mindestens 10 Tage in Wasser einweichen, bis man die innere Rinde von dem Rest trennen kann.
  • Ausgangsmaterial: Brombeere
    Herstellung: Die Rinde der Brombeere wird samt Stacheln und Blätterstielen abgeschabt (Sprich, das Grüne sollte vom Stamm runter). Dann wird der Stamm, wie bei der Brennnessel mit einem schweren Gegenstand abgeklopft damit sich die Fasern leichter lösen lassen. Auch hier sollten die Fasern vor Benutzung einige Stunden getrocknet haben.
  • Ausgangsmaterial: Waldrebe
    Im Winter gibt es keine frischen Brennnesseln und auch Weide und Co. geben nur bedingt Fasern, da sie nun keinen Pflanzensaft in den oberen Teilen haben und somit der Bast mehr oder weniger am Stamm klebt. Allerdings kann man immer noch Fasern aus der Waldrebe gewinnen. Besonders ältere Pflanzen, mit einem dickeren Stamm, lösen sich gerade in dieser Zeit von alter Rinde und geben somit Fasern frei. Die Fasern müssen meistens nicht getrocknet werden und können wie Brennnessel verdreht werden.

Auch wenn ihr keine meterlangen Seile mit nach Hause genommen habt, hoffen wir, dass es euch gefallen hat. Uns ging es eigentlich darum, dass ihr die verschiedenen Pflanzen und die Eigenschaften der Fasern kennen lernt damit ihr nun selber ein wenig experimentieren könnt. Wir hoffen es hat euch Spaß gemacht und das ihr etwas mitgenommen habt, das mehr wert ist als ein Stück Seil.

Grüße aus dem Garten,
Tim und Jonas
Permakulturmodul

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