fertige Wege

Haupteingang des Waldgartens mit den ersten fertigen Schotterwegen

Unser Waldgarten im ,,Alten Pflanzgarten“

Nachdem wir im Mai 2011 anfangen konnten den „Alten Pflanzgarten“ nach permakulturellen Prinzipien zu gestalten, haben wir nach eingehender Planung in Form von einer Bachelorarbeit (Waldgarten – Obst und Gemüse durch das ganze Jahr) den Waldgarten an einem wunderschönen Frühlingstagstag im Jahr 2012 gepflanzt. Dabei lauteten die Ausgangsfragen der Bachelorarbeit: Wie ist es möglich den jährlichen Obst- und Gemüsebedarf einer 5-köpfigen Gruppe auf einer etwa 750 m2 großen, nachhaltig zu bewirtschafteten, naturnahen Fläche dauerhaft zu decken? Was kann ein Waldgarten dazu beitragen und wie müsste dieser konzipiert bzw. aufgebaut sein? Der Waldgarten wurde im nordöstlichen Bereich des etwa 3000 m2 großen „Alten Pflanzgartens“ gepflanzt, sodass im Laufe der Zeit eine Vegetationsschicht entstehen kann, deren Wuchshöhe von Süd nach Nord immer mehr zunimmt.

Was ist ein Waldgarten?
In einem Waldgarten werden Lebensmittel, wie Gemüse, Kräuter, Obst, Beeren und Nüssen in einer möglichst naturnahen Vegetation angebaut. Als Vorbild hierzu dient der natürliche Wald. Wie dieser, kann der „essbare Waldgarten“ in sieben Schichten (Hochstämme, Halb- und Niederstämme, Strauchschicht, Gemüse- und Kräuterschicht, Wurzelbereich, Bodendecker und vertikale Schicht (Kletterpflanzen)) eingeteilt werden, wobei die Schichten in einem natürlichen System keine Trennlinien erkennen lassen, sondern nahtlos ineinander übergehen.
Durch die unterschiedlichen Schichten entsteht eine dreidimensional (Breite, Länge, Höhe) genutzte Fläche, von der nicht nur die direkte, sondern auch vermehrt die diffuse Sonnenstrahlung von der Vegetation eingefangen werden kann. Dies hat vorteilhafte Auswirkungen auf die Biomassekapazität und die Artenvielfalt, die im Vergleich zu den konventionell betriebenen Flächen erheblich höher ausfallen müsste. Hierdurch wiederum wird der Wasserhaushalt vergrößert, da mehr Wasser durch die tiefen Wurzeln der Bäume nach oben gelangt, mehr Wasser in der Gesamtheit der organischen Substanz bzw. Biomasse gespeichert ist und dadurch der zirkulierende Wasseranteil im natürlichen Wasserkreislauf ansteigt. Ein weiterer positiver Effekt ist, dass der Erdboden in einer längeren sommerlichen Trockenphase langsamer austrocknet, da er ganzjährig bewachsen bzw. bedeckt ist und das direkte Sonnenlicht, je nach Sonnenneigung und -tagesverlauf, nur zeitweise auf die einzelnen Bereiche des Waldgartenbodens strahlt. Ferner wird durch den ganzjährigen Bewuchs einer Bodenabtragung (Erosion) durch abfließendes Niederschlagswasser und Luftströmungen vorgebeugt. Neben einer hohen Nutzungsmöglichkeit des Wurzelbereiches durch die verschiedenen Pflanzen, nehmen diese zudem unterschiedliche Nährstoffe aus dem Boden auf, sodass es nur unter den ungünstigsten Bedingungen zu Nährstoffmängeln kommen sollte. Weitere wichtige Faktoren bzw. Eigenschaften, die dem Waldgarten zu kommen, sind die Zeit und Symbioseverhältnisse der unterschiedlichen Pflanzen, sodass man eigentlich von einem fünfdimensionalen System sprechen könnte.
Der Boden wird nicht umgegraben, sondern nur oberflächlich mit Mulch und Kompost bearbeitet, wodurch das Wachstum einer gewünschten Bodenschicht reguliert wird. Einjährige Gemüsearten werden nur verwendet, wenn sie sich durch Selbstaussaat vermehren können.

Die Waldgartenschichten
Die Waldgartenschichten
(Quelle: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/b/b4/Waldgartenprinzip.jpg)

Ziel ist es ein Waldgartensystem aufzubauen, das einen minimalen Arbeitsaufwand fordert und dabei einen Großteil der menschlichen Nahrung produziert. Die Arbeit, die in einem solchen Garten verrichtet werden muss, ist so vielfältig, wie der Garten selbst. Jeder Waldgarten, wie auch andere Permakultur-Systeme werden nach den mikroklimatischen Bedingungen und den Bedürfnissen der einzelnen Gärtner unterschiedlich aufgebaut und zusammengestellt. Dabei wird darauf geachtet, dass die vorhandenen Ressourcen und einzubringenden Elemente optimal zusammengefügt werden. Jede Ressource stellt eine Chance dar, die es zu nutzen gilt. Ein „essbarer Waldgarten“ ist möglichst so zusammenzusetzen und anzulegen, dass dieser über einen langen Zeitraum im Jahr den Ernährungsbedarf an Obst, Nüssen, Beeren, Gemüse und Kräutern Einzelner oder einer Gruppe decken kann.

Genaueres, wie beispielsweise die komplette Planung des Waldgartens, dessen Zusammenstellung und -setzung der Schichten, sowie zusätzliche Komponenten und Maßnahmen, die nötigen Arbeiten usw. sind in der Bachelorarbeit nachzulesen, die jedem frei zur Verfügung steht.

Wir möchten nun versuchen, einmal im Jahr die aktuellen Entwicklungen des Waldgartens kurz zusammenzufassen:

Waldgarten im 1. Jahr